Stefan Cooke und Ann-Sofie Johansson, Kreativchefin bei H&M und Vorsitzende der Jury.

Stefan Cooke gewinnt den H&M Design Award 2018

Dank seiner Imitationen der Alltagsgarderobe für Herren in Kleidungsstücken aus Webgummi oder Kunststoff-Ringgeflecht macht der Absolvent des Central Saint Martin jetzt Anspruch auf den Design Award 2018.
01. Dezember 2017

Stefan Cooke, 25 Jahre und mit einem Master vom Central Saint Martins College of Art and Design in London, wurde mit dem H&M Design Award 2018 ausgezeichnet und weiß genau, wie er das feiern wird. “Ich werde ein Bad nehmen und mich etwas entspannen!”, meint er lachend nach der Ankündigung. “Ich habe ein paar hektische Tage hinter mir - es ist immer nervenaufreibend, dich vor wirklich gefeierte Menschen zu stellen und über deine Arbeit zu sprechen, aber es war auch unglaublich.” 

Was beim H&M Design Award 2018 mit über 550 Bewerbern mit 42 verschiedenen Nationalitäten von 17 verschiedenen Modeschulen auf der ganzen Welt angefangen hat, wurde nach und nach auf acht sehr talentierte Finalisten eingestampft. So hart die Entscheidung auch war, am 30. November war es dann endlich so weit: Vor der versammelten internationalen Presse verkündete Ann-Sofie Johansson, Kreativberaterin für H&M und Vorsitzende der Jury, dass der Preis 2018 an Stefan gehe.

Die Jury war insbesondere von Stefans innovativer Denkweise begeistert - in Bezug auf Technik, Silhouette, Material und Fantasie. Klassiker der Herrenmode, wie Jeans, Chinos und Cricket-Pullover, wurden fotografiert, digital manipuliert und anschließend auf synthetische Materialien gedruckt. Gummi wird zu Jacken und Mänteln verzwirnt, die an Kettenhemden erinnernden Pullover werden aus Plastik gefertigt, während langärmlige Oberteile aus zerschnitzeltem Polyester oder Acryl bestehen. Auch Bandagen-ähnliche figurbetonte Hosen werden mit Coverstitch aus Gummi gefertigt. Das Ergebnis ist eine clevere Subversion von Alltagskleidung.

"Ich finde, dass das, was Stefan macht, auch wirklich britisch ist. Es ist unglaublich witzig, in Kombination mit echter sorgfältiger Handwerkskunst und ich glaube, dass genau dies ein echtes Markenzeichen der britischen Mode ist. Als Stefan darüber gesprochen hat, wie er die dehnbaren Stücke entwirft; jeder Streifen wird viermal gedruckt, um die notwendigen Bilder zusammenzubekommen, damit er sie zu Kleidungsstücken weben kann. In jedem dieser Stücke steckt so viel Arbeit, und dennoch sind sie letztlich sehr schlicht, visuell einfach aufzunehmen und vieles ist außerdem einfach zu tragen. Und genau das ist das Markenzeichen der britischen Wesensart - etwas, das unglaublich kompliziert herzustellen ist, jedoch sehr einfach zu tragen", so Alex Fury, Modejournalist, Autor, Kritiker und Redakteur von AnOther magazine.

In diesem Jahr bestand die Jury nicht nur aus Ann-Sofie Johansson und Alex Fury, sondern auch aus Veronika Heilbrunner (Stylistin und Gründerin von Hey Woman), Luke Day (Redakteur von GQ Style), Michal Pudelka (Fotograf), Sarah Richardson (Modestylistin und -beraterin), Richard Quinn (Designer und Gewinner des H&M Design Award 2017), Floriane de Saint Pierre (Präsidentin von Floriane de Saint-Pierre et Associés) und Margareta van den Bosch (Kreativberaterin von H&M).

Es gibt Kleidungsstücke, die tatsächlich tragbar sind - man kann sich in ihnen bewegen, herumrennen, sie schränken nicht ein.
Stefan Cooke

Mit dem Award hat Stefan, der aus West Sussex stammt und gegenwärtig in London lebt, einen Preis in Höhe von 25.000 € sowie ein 6-monatiges Praktikum in der Hauptniederlassung von H&M in Stockholm gewonnen, wo er mit dem Designteam zusammenarbeiten wird, das am besten zu seinen Fertigkeiten und Erfahrungen passt. Er kann das Praktikum auch gegen ein Stipendium in Höhe von 25.000 € eintauschen, was einen Preis von insgesamt 50.000 € bedeutet. Das wohlverdiente Bad ließ noch mindestens eine Stunde auf sich warten, da H&M Magazine sich mit dem frischgebackenen Gewinner persönlich getroffen hat.

KANNST DU UNS DEINE SIEGERKOLLEKTION ERKLÄREN?
"Bei der Kollektion ging es darum, eine klassische Herrenkollektion zu entwerfen, jedoch auf völlig neue Art und Weise. Die meisten Männer sind nicht sehr abenteuerlich, wenn es um ihre Kleidung geht. Ich bin genauso. Ich trage am liebsten Jeans und Pullover, ich habe jedoch angefangen zu erforschen, wie ich die Elemente dieser Kleidungsstücke behalten kann, allerdings auf eine völlig neue Art und Weise. Als Textilstudent war ich auf der Suche nach innovativen Methoden, diese Kleidungsstücke auszudrücken. Also habe ich angefangen, Kleidung zu fotografieren und auf andere Gewebe zu drucken, um es zu visualisieren. Ich habe Gummi gerade erst entdeckt, aber wenn man sich Label wie Hervé Léger anschaut, sie feiern den Körper, sind toll und eins dieser One-Size-fits-all-Sachen. Ich liebe es, mit dehnbaren Geweben zu arbeiten (auch die zerschnitzelten Sachen sind unglaublich dehnbar), weil sie so viele Möglichkeiten bieten.

WAS HAT DICH URSPRÜNGLICH DAZU GEBRACHT, MODE ZU STUDIEREN?
"Als Kind habe ich Kunst geliebt. Meine Eltern haben mich immer mitgenommen in Galerien und sowas. Ich war nicht so akademisch, aber ich hatte immer das Gefühl, mit einem Stift und einem Pinsel wirklich sagen zu können, was ich sagen wollte. Es war also irgendwie schon immer da. Und seitdem ich nach London gezogen bin, hat die Gemeinschaft, mit der ich mich umgeben haben, wirklich beinflusst, was ich mache. Wie mein Freund, er ist unglaublich. Er ist so etwas wie eine Enzyklopädie der Mode und wir beide lieben Mode. Jeder nutzt sie und jeder drückt sich mit ihrer Hilfe aus. Es mag sich anhören wie ein Klischeeé, aber es ist wirklich fantastisch." 

ERZÄHL UNS VON EINER DEINER ERSTEN ERINNERUNGEN, DIE MIT MODE ZU TUN HAT.
"Ich erinnere mich, wie ich den Mantel meines Vaters geklaut habe. Ich wollte diesen Fleece so sehr, als ich ungefähr 13 oder 14 war. Ich erinnere mich, dass ich mit meinen Freunden ausgegangen bin und den Mantel angezogen habe und dachte, dass ich der coolste Typ überhaupt bin. Was ich offensichtlich nicht war, weil ich den Mantel meines Vaters anhatte [lacht]. Das ist wirklich lustig, ich glaube, hierum geht es bei dieser Kollektion - diese nostalgischen Kleidungsstücke. Ich wollte ihn nicht, weil er ein besonders toller Mantel war, sondern weil er von meinem Vater war. Ich fühlte mich mit ihm verbunden und darum geht es auch bei dieser Kollektion. Es gibt bestimmt frühere Erinnerungen als diese, aber die sind wirklich peinlich!"

ALS DU MIT DER JURY GESPROCHEN HAST, MUSSTEST DU EIN GLEICHGEWICHT ZWISCHEN KREATIV UND KOMMERZIELL FINDEN?
"Na klar, was ich an diesen Kleidungsstücken jedoch erstaunlich finde, ist, dass sie bereits ein kommerzielles Element besitzen, und das hat auch die Jury begriffen. Denn letztlich sind es Kleidungsstücke, die tatsächlich tragbar sind - man kann sich in ihnen bewegen, herumrennen, sie schränken nicht ein. Und sie sind nicht einmal eine gewagte Stilwahl. Als ob man eine Jeans wollte, die jedoch dehnbar ist, aber immer noch eine Jeans. In Bezug auf die kommerziellen Elemente ist soviel machbar und in der nächsten Saison möchte ich definitiv mehr darauf einspielen. Ich möchte nach Paris, ich möchte verkaufen, ich möchte es schaffen, dies zu einem nachhaltigen Unternehmen zu machen, das tatsächlich wächst."

WO SIEHST DU DICH IN FÜNF JAHREN? ZEHN?
"Hoffentlich in einem Haus mit Garten! Das reicht mir eigentlich [lacht]. Und hoffentlich mache ich dann immer noch, was ich am allerliebsten mache. Ehrlich gesagt hätte ich vor ein paar Wochen niemals geglaubt, in dieser Position zu sein. Man weiß nie, was passiert. Und genau das macht es so spannend, weil keiner es wirklich weiß ..."

STEFAN COOKES FAVORITEN ...

DESIGNER … "Rei Kawakubo von Comme des Gaçr ons, Jun Takahashi von Undercover und Junya Watanabe."

MODEL… "Lindsey Wixson, weil sie wie ich eine Zahnlücke hat!"

STÄDTE … "Definitiv London und obwohl ich noch nie in Japan war, glaube ich, dass Tokyo eine wäre."

BÜCHER … "Ich lese wirklich total gerne Stephen King. Es ist furchtbar, aber so gut! Und ich hasse Horror, ich kann nicht damit umgehen, aber wenn ich es lese, liebe ich es."

MUSIK… "Ich höre mir alles an, was mein Freund aussucht, und das könnte beispielsweise Aphex Twin sein."

ESSEN … "Ich liebe gute Ramen." 

ARTEN, SICH ZU ENTSPANNEN… "Außer einem Bad, ein Spaziergang in der Natur. Und Zeit mit meiner Familie verbringen- ich liebe das."

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