Der französische Architekt Romain Costa über sein Fashion-Konzept

Architekt und Fashion-Gestalter Romain Costa geht bei Outfits ganz ähnlich vor wie bei der Planung von Gebäuden: Alles dreht sich um Proportionen, Farben und Materialien.
06. Februar 2017

Franzosen können viel mehr als nur Baguettes essen und Baskenmützen tragen. In der Mode scheinen sie alle Meister des mühelosen Stils zu sein – und zwar nicht nur die Frauen. Mit ihren engen Jeans, weißen Hemden und glänzenden Schuhen haben die französischen Herren die Nase mindestens genauso weit vorn. Doch wie inspirierend die Vorstellung auch sein mag, diese Lässigkeit sei ihnen einfach vom Himmel geschenkt, bei genauerem Hinsehen sind die Dinge doch nicht ganz so einfach. 

Romain Costa ist ein schuhbesessener Blogger und Architekt (er besitzt 300 Paar Schuhe!) und achtet bei der Wahl seiner Kleidung stets auf Proportionen, Materialien und Farben. Wir haben ihn während der Pariser Fashion Week für Herrenmode getroffen und ihn gebeten, seine vier Lieblingslooks aus der H&M Frühlingskollektion für uns zu stylen. 

HAST DU EINE STILIKONE? 
„Serge Gainsbourg! Er hat diese typisch französische ‚Ist mir egal‘-Einstellung. Lustigerweise wäre er mit seinen Jeanshemden, den weißen Zizis von Repetto und seinen Fetzenjeans heute wieder voll im Trend.“

WIE WÜRDEST DU DEINEN PERSÖNLICHEN STIL BESCHREIBEN?
„Gute Passform und immer irgendwas Blaues und ein Teil, das aus der Reihe tanzt. In der Mode wie im Leben dürfen wir uns nicht allzu ernst nehmen. Zu meinen Lieblingsstücken von H&M gehört im Moment dieser großartige Mantel aus Kunstpelz!“

WAS IST DEIN LIEBLINGSORT AUF DER WELT? 
„Es gibt eigentlich keinen bestimmten Ort, an dem ich am liebsten bin, dafür aber Menschen, mit denen ich gern zusammen bin. Klingt total klischeehaft, aber so ist es. Ich kann mich in der langweiligstens Stadt der Welt befinden – wenn ich mit einem meiner Freunde, meiner Familie oder meinem Freund dort bin, verwandelt sie sich automatisch in einen Ort, den ich mag.“

WAS IST DEIN LIEBLINGSESSEN? 
„Ein Gericht, das meine sizilianische Großmutter immer kocht: Nudeln mit ‚Polpettes‘. Das sind kleine Fleischbällchen mit Parmesan und allerlei anderer Zutaten, die sie streng geheim hält. Wenn sie die macht, muss sie sie immer gut verstecken, bis es Essen gibt, sonst haben meine Cousins und ich sie sofort verputzt. Leider kennen wir mittlerweile fast alle ihre Verstecke ...“

WIE HAST DU IN DER SCHULE AUSGESEHEN?
„Mein Look war damals ziemlich klassisch, aber ich habe auch immer gern irgendwas Ausgefallenes getragen, was zu der Zeit nicht besonders modern war. In der Mittelstufe habe ich oft eine Militärjacke getragen und in der Oberstufe einen großen Hut, Skinny Jeans und Lack-Derbys. Heute fänden das alle total normal, aber damals bin ich damit oft aufgezogen worden.“

WAS IST DEIN STANDARD-LOOK? 
„Ein Paar Jeans, ein Paar Derbys mit runder Spitze, ein Rollkragenpulli und ein langer Mantel. Das geht so gut wie immer im Alltag.“

WARUM IST MODE WICHTIG? 
„Weil man damit gut zeigen kann, wer man ist. Obwohl das Outfit einem französischen Sprichwort zufolge ‚noch längst keinen Mönch ausmacht‘, kommen wir wohl nicht an der Tatsache vorbei, dass unsere Kleidung etwas über unsere Persönlichkeit aussagt. Beim Einkleiden gehe ich ganz ähnlich wie beim Planen eines Architektur-Projektes vor: Ich denke in Proportionen, Farben und Materialien. Mode gibt uns die Möglichkeit, unsere Persönlichkeit sprechen zu lassen.“

WENN DU EINE ZEITREISE MACHEN KÖNNTEST: IN WELCHEM ABSCHNITT DER MODEGESCHICHTE WÜRDEST DU GERN LEBEN? 
„In der Urzeit, da waren wir nämlich alle nackt! Nee, aber im Ernst, ich würde wahrscheinlich gar nicht so weit zurückreisen, vielleicht in die frühen 90er. Was meine Eltern damals so trugen, finde ich total super – diese ganzen geometrischen Prints und die hochbündigen Hosen. Und auch die Outfits, in die meine Mutter mich damals immer gesteckt hat, finde ich toll. Den Sinn für Mode hat auf jeden Fall sie mir vermittelt.“

WORAUF WÜRDEST DU NIE VERZICHTEN?
„Ich habe ein Paar Levi's 501, das ich schon seit Jahren besitze. Vor einer Woche habe ich einen Fleck drauf gemacht, und ich fürchte, er lässt sich leider nicht mehr rauswaschen.“ 

HAST DU EIN MODELASTER?
„Ich habe fünfzig Mäntel und dreihundert Paar Schuhe. ‚Kleines Modelaster‘ ist also ein bisschen untertrieben!“

WEM WÜRDEST DU GERN MAL BEGEGNEN?
„Ich würde supergerne mal Peter Zumthor treffen, das ist ein Schweizer Architekt, der wirklich einzigartige Projekte entwirft. Durch seine Gebäude zu wandeln, ist einfach unglaublich. Vielen Architekten heutzutage geht es vor allem darum, andere zu beeindrucken und ihre Egos zu füttern. Zumthor scheint sich davon freizumachen, das zeigt seine Arbeit. Und das ist sicher ein ziemlich lohnender Ansatz für einen jungen Architekten.“

WAS BRAUCHST DU IM MOMENT NOCH? 
„Ich bin gerade in Spanien, es ist zehn Uhr abends, also habe ich Hunger. Was ich brauche, sind Tapas!“

WAS IST DEINE NEUSTE BEAUTY-ENTDECKUNG? 
„Ich verwende jede Menge Beauty-Produkte! Ein Anti-Pollution-Gel, eine Feuchtigkeitscreme und eine Augencreme, aber meine neuste Entdeckung ist eine Gesichtsmaske, die gerade mal zehn Minuten einwirken muss. Die ist einfach die beste!“

 

Adam Katz Sinding ist der Fotograf von Le 21ème. Folgen Sie seiner Arbeit auf Instagram.

ROMAIN COSTA

TÄTIGKEIT: Architekt und Blogger

WOHNORT: Paris

WEBSEITE: romaincosta.com

INSTAGRAM: @romaincosta_

SNAPCHAT: rophco

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