70er-Style auf dem Catwalk von Louis Vuitton, Gucci, Missoni, Naomi Campbell bei der Emilio-Pucci-Show und Chanel, Frühjahr 2015, Getty Images.

70er-Style auf dem Catwalk von Louis Vuitton, Gucci, Missoni, Naomi Campbell bei der Emilio-Pucci-Show und Chanel, Frühjahr 2015, Getty Images.

Die reinste 70er-Show

Egal, ob Sie in einem Nackenträger-Kleid abtanzen oder Ihr Bewerbungsgespräch in einer Schlaghose rocken wollen, lassen Sie sich von den unbekümmerten Siebzigern inspirieren – die Mode dieses Jahrzehnts liefert uns die Steilvorlage für die aktuelle Saison.
12. März 2015

Das perfekte Sinnbild dieser Saison? Naomi Campbells Überraschungsauftritt bei der Emilio-Pucci-Show. Das Supermodel betrat den Laufsteg in einem wallenden Nackenträger-Maxikleid, und das bunte Batikmuster in Kombination mit der Musik von Fleetwood Mac, die dazu ertönte, sowie Campbells lässiger, selbstbewusster Schmollmund sagten sofort, was Sache ist: Die 70er sind offiziell wieder da. 

Emilio Pucci war nicht der Einzige, der eine Reise in die Vergangenheit antrat. Etro huldigte der Hippie-Bewegung mit einer Kollektion voller wallender Kleider, Ponchos und perlenbesetzter Schmuckstücke. Gleiches sah man auch bei Missoni, wo die obligatorische Strickmode in Pastelltönen daherkam und sich mit Turbanen und fließenden Röcken zu einem bunten Retromix vereinte. Bei Gucci bewegte sich Frida Giannini mit ihren elegant geschnittenen Velourslederkleidern und Nackenträger-Shiftkleidern weniger in Richtung „wilde Siebziger“, sondern mehr in Richtung Boho-Schick. 

Die Siebziger waren ein Jahrzehnt, das sich von Dress-Codes verabschiedete und Alltagskleidung als dominierenden Trend auf den Plan rief. Ganz in diesem Sinne erlangten Jeans wieder einmal Haute-Couture-Status. So sah man ausgewaschene Indigo-Jeans bei Louis Vuitton und Chloé und Jeans-Jumpsuits bei Sonia Rykiel und Stella McCartney. Weite Schlaghosen sind ebenfalls wieder in Mode. 

Doch die Siebziger waren auch eine Zeit des politischen Engagements, in der freiheitsliebende junge Leute zu den Klängen von Rocksounds und Disco-Beats gegen die Konformität der traditionellen Gesellschaft rebellierten. 

Dies wurde in Paris aufgegriffen, wo die Retro-Welle ebenso wie in Mailand Einzug hielt. Bei Chanel zeigte sich der Einfluss der Siebziger in Form von psychedelischen Grafiken (handgemalt von Karl Lagerfeld persönlich) und einer inszenierten Demonstration auf dem Laufsteg. Saint Laurents Siebzigerjahre-Inspiration war eine Kreuzung aus Marianne Faithfull und Iggy Pop – die Plateauschuhe und Turbane des Labels wären in dem New Yorker Hedonisten-Club Studio 54 bestens aufgehoben gewesen. 

Das kollektive Bewusstsein der Modedesigner (und ihrer Fans) scheint mit Träumen von freier Liebe, bewusstseinserweiternden Erfahrungen und einer besseren Welt für alle erfüllt zu sein. Um diesen Trend wird man nur schwer herumkommen!

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