So personalisieren Sie Ihre Garderobe

Eine der größten Fragen der Menschheit lautet: Wie verschaffe ich mir eine vielseitige Garderobe, ohne in einem Berg aus Kleidung zu versinken? Wir haben die H&M-Designer Andreas Löwenstam und Ann-Sofie Johansson um Rat gefragt.
11. April 2016

WIE STELLE ICH FEST, OB EIN TRENDARTIKEL ODER KEY-PIECE ETWAS FÜR MICH IST?
H&M-Chefdesigner für Herrenmode, Andreas Löwenstam
„Man muss ehrlich zu sich sein. Wenn etwas nicht passt, ist es egal, wie trendy es ist. Ist man üppiger als der Durchschnitt, sollte man sich von superengen Trends vielleicht lieber fernhalten. Normale Kleidung, die passt, sieht tausendmal besser aus als irgendwas Hippes, was nicht passt. Das gilt auch für Größen. Kaufen Sie nicht einfach Größe L, nur weil Sie das immer schon getan haben. Versuchen Sie es mal mit M und sehen Sie, wie das wirkt.“

H&M-Kreativberaterin Ann-Sofie Johansson:
„Zunächst einmal dürfen wir nicht vergessen, dass es heutzutage eigentlich gar keine Tabus mehr gibt. Jede sollte sich anziehen, wie sie möchte, um damit auszudrücken, wer sie ist und wie sie sich fühlt. Das eigene Gefühl ist eigentlich das Wichtigste. Wenn man sich toll fühlt, dann sieht man auch toll aus.“

WELCHE KLEIDUNGSSTÜCKE SIND ABSOLUT ESSENTIELL?
Andreas:
„Ein schwarzes Paar Jeans und ein blaues. Ein dunkelblauer Anzug, denn der ist wandelbarer als ein schwarzer, ein weißes Hemd und dann noch eins, das etwas legerer ist, vielleicht aus Flanell, Jeans oder Karostoff. Ein Wollpulli mit Rundhals – wenn er eine gute Qualität hat und nicht zu dick ist, kann man ihn das ganze Jahr über tragen. Außerdem braucht man natürlich ein T-Shirt, am besten eins mit irgendeinem witzigen Detail, z. B. einem Druck oder einer Brusttasche. Und eine eng sitzende Hose. Das ist eine gute Grundlage für jede Herrengarderobe.“

Ann-Sofie:
„Es fängt schon bei der Unterwäsche an. Wenn die nicht gut sitzt, dann sitzt alles andere auch nicht gut. Und dann ein paar klassische Basics. Klingt vielleicht langweilig, aber das ist die Grundlage, auf der man sich dann mit anderen Sachen austoben kann. Setzen Sie also auf ein richtig blaues Paar Jeans, ein weißes T-Shirt und einen zeitlosen grauen Pulli, der für die meisten Anlässe geht. Genauso eine weiße, locker sitzende Bluse. Außerdem brauchen Sie eine Jacke, am besten in Schwarz, und eine enge schwarze Hose.“

H&M-Kreativberaterin Ann-Sofie Johannson, Studio Emma Svensson

WAS IST MIT SCHUHEN?
Andreas:
„Sneakers sind essentiell und passen einfach immer, und dann ist es eigentlich nur noch eine Frage des Geschmacks, ob man lieber Slip-on-Sneakers, Laufschuhe oder klassische Turnschuhe trägt. Außerdem denke ich, dass man ein paar Lederschuhe braucht, egal ob nun Derbys, Oxfords oder Brogues. Ein Schuhwechsel kann die Wirkung eines ganzen Outfits verändern.“

Ann-Sofie:
„Ich finde, man sollte auf jeden Fall ein Paar Lederhalbschuhe haben, zum Beispiel Loafers oder Brogues. Und dann noch etwas Feminines wie Pumps oder Ballerinas. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Schuhe zur Silhouette der Hose und des Looks insgesamt passen.“

WELCHE FARBREGELN GILT ES ZU BEACHTEN?
Andreas:
„Herren brauchen eigentlich nur eine: In Dunkelblau sehen alle Männer gut aus. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass starke Akzentfarben an hellhäutigen Typen nicht ganz so gut rüberkommen. Und wer ein bisschen mutig ist, sollte sich mal an Grün heranwagen, das steht viel mehr Männern, als man meinen würde.“

Ann-Sofie:
„Es gibt jede Menge Faustregeln, die längst überholt sind. Früher war es zum Beispiel verboten, kalte und warme Farben miteinander zu kombinieren, aber das kann total stylisch sein.“

WIE KANN ICH AUCH IN ETWAS AUSGEFALLENEM GUT AUSSEHEN?
Andreas:
„Das geht, indem man das übrige Outfit möglichst simpel hält. Besondere Stücke bringt man am besten einzeln zur Wirkung.“

Ann-Sofie:
„Haben Sie etwas Geduld. Gewöhnen Sie sich erst einmal daran, indem Sie es ein paar Mal zu Hause tragen, und warten Sie auf die passende Gelegenheit.“

WAS TUN, WENN GAR NICHTS HILFT?
Andreas:
„Auf etwas Schwarzes setzen – das ist immer sicher. Schwarz ist für mich eine Stimmungsfarbe, denn es passt zu jeder Stimmung. Ich meine, wenn man nicht gut drauf ist, will man schließlich nichts Weißes tragen.“

Ann-Sofie:
„Zu Hause bleiben! Haha. Nein, man sollte sich daran erinnern, dass das jedem mal passiert. Man kann nicht jeden Tag perfekt aussehen und alle beeindrucken. Verlassen Sie sich auf Ihre Basics und setzen Sie einfach auf Jeans, T-Shirt und eine Jacke.“

Andreas Löwenstam.
Wer ein bisschen mutig ist, sollte sich mal an Grün heranwagen, das steht viel mehr Männern, als man meinen würde.
H&M-Chefdesigner für Herrenmode, Andreas Löwenstam
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